Sandra Noeth

Sandra Noeth arbeitet als Dramaturgin, Kuratorin und Kulturwissenschaftlerin in Berlin (u.a. Ko-Kuratorin des seriellen Projekts Violence of Inscriptions zur Erfahrung und Repräsentation von struktureller Gewalt am HAU Hebbel am Ufer, 2016-2018). Von 2009-2014 leitete sie die Abteilung Dramaturgie und Recherche am Tanzquartier Wien, wo sie eine Reihe von theoretisch-künstlerischen Forschungs-, Präsentations-, und Publikationsprojekten zu Konzepten und Praktiken von Verantwortung, Religion, Unversehrtheit und Protest im Bezug auf den menschlichen Körper entwickelte. Seit 2012 ist sie Senior Lecturer bei DOCH/Stockholm University of the Arts. Von 2006-2009 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bewegungswissenschaft/Zentrum für Performance Studies an der Universität Hamburg. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Dramaturgie in Tanz und Choreografie, ethische und politische Perspektiven auf Körper-Praxis und Theorie, sowie nicht-westliche Bewegungs- und Körperkulturen. Sie unterrichtet u.a. am HZT Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin, Hochschule für Musik und Theater Frankfurt am Main, Theaterakademie Hamburg, ashkal alwan Beirut (Gastprofessorin im HWP-Programm 2015/16) und war Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Tanzkongress 2016.

 

Resilient Bodies, Residual Effects

Artistic Articulations of Borders and Collectivity from Lebanon and Palestine

Resilient Bodies, Residual Effects. Artistic Articulations of Borders and Collectivity from Lebanon and Palestine untersucht, wie die ineinandergreifenden Erfahrungen von Grenzen und von Kollektivität aus der Perspektive von Körpern theoretisch gefasst werden können. Dabei ist die Annahme forschungsleitend, dass Körper ebenso wie ihre ästhetischen, diskursiven und symbolischen Erweiterungen zentral sind, um die damit verbundenen Ein- und Ausschlussprozesse zu begreifen und somit ein analytischen Potential vorhalten, das im Feld der Border Studies noch nicht hinreichend aufgearbeitet ist.

Die Studie ist im geopolitischen und kulturellen Kontext von Libanon und Palästina/Israel angesiedelt; sie nimmt ihren Ausgangspunkt in drei künstlerischen Fallstudien, die auf Körper und Bewegung fokussiert sind und ein exemplarisches Untersuchungsfeld eröffnen: Contingency (2010) von Basel Abbas and Ruanne Abou-Rahme, Free Advice (2015) von Farah Saleh und Nothing to Declare (2013) von Dictaphone Group. Die Ergebnisse der qualitativen und vergleichenden Auswertung des multi-medialen Korpus an empirischen Materialien wird in der Folge mit ausgewählten theoretischen Positionen aus Sozialwissenschaften und Philosophie, aus Performance Studies und Border Studies in Dialog gebracht um sich den Fragen anzunähern: was braucht es, um eine Grenze zu überqueren, und was bedeutet es, sich zugehörig zu fühlen?

Am Beispiel der Erfahrung von Grenzen und von Kollektivität geht es in Resilient Bodies, Residual Effects darum, einen Beitrag zum Verständnis der Rolle, des Status und der Handlungsfähigkeit von Körpern in sozialen und politischen Prozessen zu leisten und zugleich zu einer systematischen wissenschaftlichen Aufarbeitung jüngerer künstlerischer Entwicklungen aus dem arabischen Raum beizutragen.