Isis Berger

Isis Kardels ist Stipendiatin am Graduiertenkolleg „Lose Verbindungen: Kollektivität im digitalen und urbanen Raum“ an der Universität Hamburg. Ihr Forschungsinteresse umfasst Konnektivität, Kollektivität, Infrastrukturen (Datennetze, Verkehrsnetze, Körper), Simulation, Epidemien, Ansteckung und Biopolitik (Hygiene, Abwehr, Immunität). Dementsprechend impliziert ihre Arbeit Gebiete der Kulturwissenschaften, Medientheorie und Lebenswissenschaften. Isis Kardels hat einen BA in „Angewandte Kulturwissenschaften“ und einen MA in “Culture, Art and Media” an der Leuphana Universität Lüneburg absolviert. Ihr Dissertationsprojekt versucht Viren in einen sozialen und technischen Gesamtzusammenhang zu bringen und als Informationsträger und Agenten der Übertragung (Körper, Maschine) zu denken.

 

Infektiöse Kollektivitäten

Ansteckungsszenarien biologischer wie informatischer Viren

Das Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel „Infektiöse Kollektivitäten. Ansteckungsszenarien biologischer wie informatischer Viren“ versucht Viren in einem sozialen und technischen Gesamtzusammenhang zu denken und untersucht Viren als Informationsträger und Agenten der Übertragung (Körper, Maschine).

Intention des Vorhabens ist die Frage nach möglichen Konsequenzen der (metaphorischen) Ausweitung des Gegenstandsbereichs von biologischen auf informatische Viren für biopolitische Diskurse zu Immunität (u.a. Foucault, Esposito, Agamben, Sarasin). Hierfür werden Konzepte und Begriffsbestimmungen von Viren (insbesondere der Ansteckung) aus der Entstehungsgeschichte der Virusforschung (Rheinberger), Computertechnologie (u.a. von Neumann) und -kultur herausgestellt, die, so die These, das Virus als Metapher generiert und interdisziplinär anschlussfähig gemacht haben (u.a. Parikka).

Aus medientheoretischer Perspektive liegt der Fokus auf den Operationsweisen und Formen von Konnektivität, womit Viren und ihre Übertragungswege bzw. Infrastrukturen (Körper, Datennetze, Hubs, Verkehrsnetze etc.) ihre Berechtigung als Untersuchungsgegenstand finden. Viren, verstanden als eine Form der „Kommunikation“, werden als medientheoretisches Modell auf mehreren Ebenen lesbar. Sie stiften Kollektive – solche der von ihnen Befallenen – die sowohl Menschen wie Maschinen sein können. Solche Kollektive beruhen zunächst auf einer rein konnektiven, medialen Operation: auf der Kommunikation von Viren, auf Übertragung und Ansteckung. Beide Fälle, die biologischen wie der informatischen Viren, haben eine eminent gesellschaftliche Dimension. Welche Bedeutung dieser Engführung biologischer und informatischer Viren für die aktuellen Theorien der „Immunität“ innerhalb des Gouvernementalitäts-Diskurses zukommt, mag sich im Verlauf der Arbeit herausstellen.